Krankenpflegekräfte sind in der Corona-Krise plötzlich einer der wichtigsten Dienstleister im System. Warum werden sie dennoch schlecht bezahlt? Es wird immer noch davon ausgegangen, dass Fürsorglichkeit und Pflege eine grundlegende Eigenschaft des Menschen ist und dafür keine spezielle Ausbildung benötigt wird. Für viele gehört die Pflege zu den unproduktiven Dienstleistungen. Sie produziert nichts und wird nicht zu Geld. Die Pflegekräfte werden behandelt, als hätten sie keine besondere Bedeutung für die Gesellschaft und das Wohlbefinden der Bevölkerung. Keiner sieht die Notwendigkeit einer Qualifikation, die eine gute Ausbildung erfordert und honoriert werden muss.

Ich habe viele Jahre als Fachkrankenschwester für den Funktionsdienst in unterschiedlichen Operationsabteilungen in mehreren Städten gearbeitet und am Universitätsklinikum Frankfurt Operationsfachpflegekräfte mit Unterstützung meiner Kollegen in der Theorie und Praxis weitergebildet. Es war ein kooperatives und harmonisches Miteinander verschiedener Berufsgruppen. Vieles hat sich in den letzten Jahren durch Mangel an Fachkräften, steigende Arbeitsbelastung, schlechte Arbeitsbedingungen und inadäquate Bezahlung verändert. Diese Rahmenbedingungen führen leider auch zur mangelnden Motivation diesen Beruf zu ergreifen und auszuüben. Es ist an der Zeit über grundlegende Neuregelungen nicht nur nachzudenken und zu diskutieren, sondern diese auch herbeizuführen. Eine adäquate Bezahlung ebenso wie eine geringere Arbeitsbelastung wären dringend notwendig.
Ich verstehe die Angst hinter dem Klatschen der Menschen für die Pflegekräfte und anderer Dienstleister, aber gleichzeitig ist dieses Klatschen fast zynisch. Es wird wieder etwas zu einem Mythos erklärt und gleichzeitig entwertet: Wer ist denn bereit, zu sagen, dann zahlen wir halt mehr?