Der Kontrasteffekt- Warum Du deine Fotomodelfreundin zu Hause lassen solltest!!

Hier eine Geschichte von zwei Brüdern. John und Harry. Sie betrieben in Amerika in den 1930er Jahren ein Bekleidungsgeschäft. John war für den Verkauf zuständig, Harry leitete das Schneideratelier.

Immer wenn John bemerkte, dass dem Kunden, der vor dem Spiegel stand, ein Anzug wirklich gefiel, stellte er sich ein bisschen schwerhörig. Wenn der Kunde dann nach dem Preis fragte, rief John seinem Bruder entgegen: Harry, wie viel für diesen Anzug? Harry schaute von seinem Schneidertisch auf und rief zurück: „Für diesen schönen Wollanzug 42 $“ – ein damals komplett überzogener Preis. John tat so, als hätte er nichts verstanden. „Wie viel?“ Und Harry wiederholte den Preis: „42 $“ . Erst jetzt drehte  sich John zu seinem Kunden um:

„Er sagt 22 $“ An diesem Punkt legte der Kunde schleunigst die 22 $ auf den Tisch und eilte mit dem teuren Stück aus dem Laden, bevor der arme John den „Fehler“ bemerken würde. Der Anzug war gut bezahlt 👍

Vielleicht kennen Sie das folgende Experiment aus ihrer Schulzeit: Sie nehmen zwei Eimer. Den ersten füllen Sie mit lauwarmem Wasser, Den zweiten mit Eiswasser. Sie tauchen ihre rechte Hand 1 Minute lang ins Eiswasser. Dann stecken Sie beide Hände gleichzeitig ins lauwarme Wasser. Was spüren Sie? Links fühlt sich das Wasser lauwarm an, in der rechten heiß. Die Geschichte von John und Harry und das Wasserexperiment basieren beide auf dem Kontrasteffekt: wir beurteilen etwas als schöner, teurer, größer und so weiter, wenn wir zugleich etwas hässliches, billiges, kleines und so weiter vor uns haben. Wir haben Mühe mit absoluten Beurteilungen. Der Kontrasteffekt ist ein häufiger Denkfehler. Sie bestellen Ledersitze für ein neues Auto, weil die 3000 € verglichen mit den 60.000 €, die der Wagen kostet, eine Kleinigkeit sind. Alle Branchen, die von Ausstattungsoptionen leben, spielen mit dieser Täuschung. Der Kontrasteffekt wirkt aber auch anderswo. Experimente zeigen, dass Leute einen Fußweg von 10 Minuten auf sich nehmen, um bei einem Nahrungsmittel zehn Euro zu sparen. Aber niemand käme auf die Idee, einen zehnminütigen Weg auf sich zu nehmen, wenn er einen Anzug am anderen Ende der Straße für 979 statt 989 € kaufen könnte. Ein irrationales Verhalten, den 10 Minuten sind 10 Minuten und zehn Euro sind zehn Euro. Völlig undenkbar ohne den Kontrasteffekt: das Discountgeschäft. Ein Produkt, dass von 100 € auf 70 reduziert wurde, erscheint billiger als ein Produkt, dass schon immer 70 kostete. Dabei darf es doch keine Rolle spielen,  welches der Ausgangspreis war. Auf Kontrast reagieren wir wie die Vögel auf einen Gewehrschuss. Wir flattern auf und werden aktiv. Die Kehrseite: kleine, graduelle Veränderung bemerken wir nicht. Ein Magier klaut ihnen die Uhr, weil er an einer anderen Stelle ihres Körpers starken Druck ausübt, so dass sie die leichte Berührung an ihrem Handgelenk gar nicht registrieren. Ebenso wenig fällt uns auf, wie unser Geld verschwindet. Es verliert laufend an Wert, aber wir bemerken es nicht, weil die Inflation graduell verläuft. Der Kontrasteffekt kann ganze Leben ruinieren: eine entzückende Frau heiratet ein ziemlich durchschnittlichen Mann. Warum? Ihre Eltern waren furchtbar, und so erscheint ihr der durchschnittliche Typ besser, als er wirklich ist. Und zum Schluss: bombardiert von Werbung mit Supermodels erscheinen selbst schöne Frauen als mäßig attraktiv. Wenn sie als Frau einen Mann suchen, gehen Sie deshalb nie in Begleitung ihrer Modellfreundinnen aus. Männer werden sie als weniger attraktiv einschätzen, als sie in Wahrheit sind. Gehen Sie allein. Noch besser: nehmen Sie zwei hässliche Freundin mit auf die Party. Unser Gehirn kann kaum etwas für sich alleine betrachten. Er setzt immer alles in Beziehung zu anderen Dingen. Das geschieht unbewusst. Etwas schönes in Verbindung mit etwas hässlichen empfinden wir als noch schöner. Etwas großes in Verbindung mit etwas noch größerem empfinden wir als kleiner. Etwas teures (ein reduzierter Preis) in Verbindung mit etwas noch teurerem (der ursprüngliche Preis) erscheint uns als Schnäppchen. Diese verzerrte Wahrnehmung lädt natürlich zu Manipulation ein. Wir sollten lernen, Dinge möglichst objektiv zu betrachten – oder sie zumindest in unterschiedlichen Kontrasten zu sehen.

Welche Beispiele fĂĽr Denkfehler sind ihnen schon einmal unterlaufen?