Arschkalt- Wenn das Herz gefriert

Das Unvermögen Zuneigung zu zeigen

Eine der häufigsten Ursachen für ein Herz aus Eis ist mangelndes Selbstwertgefühl. Diese fehlende Sicherheit bezüglich dessen, wer wir sind, kann uns in unseren Beziehungen defensiv werden lassen. Wir versuchen also, das Risiko zu mindern, zurückgewiesen zu werden. Das tun wir, indem wir das verstecken, wovon wir denken, dass es eine Schwachstelle sei. Wir denken vielleicht, dass es ein Zeichen der Schwäche sei, wenn wir mit anderen liebevoll und emotional umgehen. Es ist, als offenbare dieses Verhalten unser schwaches Selbstwertgefühl. Deshalb denken wir, es sei klüger, Distanz zu wahren. Wir vermeiden es, Zuneigung zu zeigen und halten unsere Fassade der Stärke der aufrecht.

Es gibt noch einen anderen Aspekt, den wir nicht ignorieren können: wie wir erzogen wurden. Wenn wir in einer Umwelt der mangelnden Zuneigung geboren und aufgezogen wurden, einer Umwelt, in der Verbundenheit nicht vorhanden war, dann verstehen, schätzen oder trauen wir uns wahrscheinlich auch nicht, Zuneigung zu zeigen.

Wie sollen wir mit Menschen umgehen, die ein Herz als Eisklotz haben?

Wir können andere nicht dazu zwingen, ihre Zuneigung zu zeigen. Diese Strategie funktioniert nie. Tatsächlich könnte dieser Versuch kontraproduktiv sein und das Gegenteil verursachen. Das Angemessenste, das man tun kann, ist, basierend auf den Bedürfnissen jeder Person und ihrer psychischen und emotionalen Realität zu agieren. In vielen Fällen konzentriert man sich dabei auf das Selbstwertgefühl des Gegenübers und den Aufbau eines positiveren Selbstbilds. Denke daran, dass sich hinter dem Ehegatten, Freund oder Kind, der oder das keine Zuneigung zeigen kann, ein Defizit oder Problem verbirgt. Dieses muss in gemeinsamer Anstrengung gelöst werden.

Negative Beziehungserfahrungen

In unseren Beziehungen machen wir nicht nur positive, sondern auch negative Erfahrungen. Oftmals geschehen Verletzungen aus einer Unachtsamkeit oder einem fehlenden Verständnis für die verletzlichen Seiten des anderen heraus. Manchmal jedoch auch mit voller Absicht. In solchen Momenten wollen wir dem anderen tatsächlich weh tun. Negative Erfahrungen in der Beziehung rufen eine emotionale Verletzung hervor.

Wenn gröbere Verletzungen in der Kindheit geschehen, haben sie Auswirkungen. Normalerweise lernen wir emotionales adäquates Verhalten in unserer frühen Kindheit – indem wir es uns von unseren Eltern oder anderen nahe stehenden Personen abschauen. Sie leben uns vor, wie man auf die Gefühle anderer Menschen reagiert und eigene Gefühle zeigt. Wenn Mama oder Papa uns beispielsweise trösten, so ahmen wir dieses Verhalten nach – an einem Kuscheltier oder einer Puppe. Durch enge Bezugspersonen in unserer Kindheit lernen wir, wie man Nähe zeigt und Zuneigung ausdrückt. Ein Kind wird von den Gefühlen, die die Verletzung auslösen, überwältigt. Um die Verletzung zu bewältigen, braucht es sozusagen einen „ inneren Beschützer“.

Er verhindert, dass der Schmerz ĂĽberhand nimmt.

Eine zwischenmenschliche Verletzung braucht eine emphatische Erwiderung

Ist eine zwischenmenschliche Verletzung erfolgt, muss auf diese Verletzung reagiert werden!

Jede größere zwischenmenschliche Verletzung beeinflusst unsere Vorstellung, wie sich Menschen uns gegenüber verhalten. Je schlimmer die Verletzung ist, umso wichtiger ist eine heilsame Handlungsweise. Eine einfache Verletzung, wie ein situationsbezogenes nicht gehört oder gesehen werden, bedarf nicht unbedingt einer Reaktion. Eine massive Verletzung, wie ein Vertrauensmissbrauch, eine Erniedrigung, eine Abwertung der eigenen Person oder ein Verlassen werden, braucht dringend eine behutsame Reaktion. Die Reaktion muss nicht unbedingt vom Verursacher der Verletzung kommen. Auch andere können heilsam auf die Verletzung einwirken.

Manchmal fehlt eine heilsame Reaktion, wie eine Beziehungsreparatur. In solchen Situationen sind wir nicht nur verletzt, sondern bleiben auch noch alleine mit der Verletzung. Ist die Verletzung groß, sind wir häufig nicht in der Lage, damit umzugehen. Oft haben wir einfach nicht gelernt, mit Verletzungen adäquat umzugehen oder eine Verletzung ist dermaßen intensiv, dass sie uns emotional völlig überfordert. 

Weil wir schmerzhafte Gefühle selten gut aushalten, versuchen wir, diesen Gefühlen zu entkommen und wehren sie ab. Um uns vor großem emotionalen Schmerz zu schützen, kühlen wir innerlich ab. Wir regulieren unsere Gefühle nach unten. Symbolisch betrachtet erkalten wir emotional, frieren unsere Gefühle ein und werden zu einer kleinen Eisprinzessin oder in der männlichen Form zu einem kleinen Eisprinzen.

Wie wirkt sich das emotionale Erkalten aus?

Erkalten wir emotional hat das Auswirkungen. Wir spĂĽren nicht nur den Schmerz nicht mehr, sondern alle GefĂĽhle werden gedrosselt. Das bedeutet, dass wir in solchen Momenten nur noch wenig bis gar nichts mehr spĂĽren. Dieses Nicht-spĂĽren bezieht sich auf den Verursacher der Verletzung, so wie auf andere Menschen und uns selbst. Wir verlieren die Freude an den Dingen, die wir ĂĽblicherweise gerne machen und die Begeisterung fĂĽr das Leben.

Die kleine Eisprinzessin erfriert in ihrer eigenen Kälte. Das emotionale Abstumpfen erscheint im ersten Moment hilfreich: Es hilft, den vorhandenen Schmerz nicht zu spüren. Wird das emotionale Erkalten allerdings nicht mehr aufgehoben, entsteht eine emotionale Leere.

So lange die innere emotionale Kälte nicht auftaut, zeigt sie sich immer wieder. Üblicherweise ist die emotionale Kälte nicht durchgehend vorhanden. Droht aber eine erneute Verletzung wird dieser Zustand augenblicklich aktiviert. Dann erscheint die kleine Eisprinzessin und blitzt aus den Augen hervor. Ihre Blicke sind distanziert, kühl oder gar eisig.

Je größer die Verletzung war, umso kälter blicken wir in die Welt.

Erkalten die Gefühle eines Menschen, ist er emotional kaum mehr zu erreichen. 

„Häufig ruft dies bei anderen genau jenes Verhalten hervor, wovor sich die kleine Eisprinzessin/ der kleine Eisprinz fürchten. Das Gegenüber spürt die emotionale Kälte und die gefühlsmäßige Distanz wirkt wie eine Mauer. Mögen wir einen Menschen, dann wollen wir ihn auch emotional erreichen. Doch mit dieser Mauer können wir nicht mehr zu ihm gelangen. Je dicker die Mauer ist, umso heftiger scheitert der Kontaktversuch. Um es doch zu erreichen,  bedrängen wir ihn verbal oder emotional. Diese Versuche können so weit gehen, dass wir die kleine Eisprinzessin oder den Eisprinz tatsächlich verletzen, um nur irgendeine emotionale Reaktion zu bekommen. Alles erscheint günstiger als eine „Nicht-Reaktion“ von ihr. Doch gerade die Heftigkeit der Kontaktaufnahme wird von der Eisprinzessin als Angriff erlebt und sie verstärkt den emotionalen Schutz und die innere Kälte.“

„Das Erkalten der Gefühle ist für die Eisprinzessin oder den Eisprinz ein Schutz vor dem Schmerz. Doch ihr Verhalten bewirkt häufig ein emotionales Bedrängen oder einen Angriff.  Die emotionale Wärme, die die kleine Eisprinzessin wie auch der Eisprinz in diesem Moment so dringend benötigen würden, wird durch deren eigene eisige Haltung verwehrt.“

Ich biete dir Hilfe in Form von Schemaberatung und Schemacoaching  genau zu diesen emotionalen Problemen an. Eine Aufarbeitung der Schemata, die bei bestimmten Reaktionen aufgerufen werden ist durch eine Reflexion und Ressourcenaktivierung möglich und für den Betroffenen veränderbar.

 

 

 

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